Leben ist Wachstum - Teil 1

Das Leben ist Wachstum, Teil 1 von Martina M. Schuster

 

 

In diesem Artikel möchte ich mich dem Aspekt des Wachsens zuwenden. Denn Leben bedeutet auch wachsen. Wachstum benötigt Zeit sowie bestimmte äußere Bedingungen, damit dieser Prozess von statten gehen kann. Dies gilt im physiologischen Bereich für Pflanzen, Tiere, Mineralien und Menschen gleichermaßen. Aber auch für unser inneres Reifen.


Der Wunsch nach Sicherheit

Die Menschen - dazu zähle ich mich auch - in unserer Kultur streben im Allgemeinen nach Sicherheit und wollen eher keine Überraschungen erleben. Gleichzeitig möchten sie auch ihre Freiheit, ihre Individualität leben, und spüren die Sehnsucht nach dem Abendteuer, dem Entdecken. So gibt es jene die den Aufbruch ins Unbekannte wagen und daher ein Stück Sicherheit aufgeben. Und andere wiederum klagen, wie schwer das Leben sei, und jammern Tag ein Tag aus über die Ausweglosigkeit des Seins, weil die Sicherheit für sie so wichtig ist. So wird das sichere Unglücklichsein nicht eingetauscht gegen das unsichere Glück, obwohl sie drängt, diese Sehnsucht nach dem „wahren“ Leben. 

 

Versicherungsgesellschaften und die Werbung setzt darauf

Versicherungsgesellschaften, Marketer und auch die Politiker kennen dieses Sicherheitsbedürfnis, deshalb wird argumentativ präzise mit diesem gespielt, z. B. so:  „Von uns bekommen Sie die Sicherheit, die Sie brauchen. Kümmern Sie sich nicht darum, leben Sie Ihr Leben.“ 

 

Zwei wichtige Einwände sind hier zu leisten:

 

  1. Was ist das Leben in diesen Botschaften? Was bedeutet es für den einzelnen? Gezeigt werde die Urlaubsfahrt, das Golfspielen, schöne Männer und Frauen (die es ab Altersstufe 35+ überhaupt nicht mehr gibt). Fazit: Es wird ein unrealistisches Leben gezeigt. das Wunschdenken aufzeigt und Bedürfnisse weckt, die meist nicht befriedigt werden können.

  2. Wenn all diese Werbebotschaften der Realität entsprächen, würde das Leben trotz alledem und all der Versicherungen noch genug Unsicherheiten bieten, mit denen jeder von uns konfrontiert wird.

Es gibt keine Versicherung, die uns schützt vor den natürlichen Risiken des Lebens

Mit all diesen Eventualitäten müssen wir jedoch umzugehen wissen, denn das gehört zur Realität. Es gibt keine Versicherung dafür, dass es unseren Kindern immer gut geht, dass wir immer den Job haben, den wir lieben, dass unsere Partnerschaft ewig hält, dass unser Körper bis ins hohe Alter schön und fit ist etc. Das Leben ist nun einmal Risiko und Chance. Das macht es lebenswert und aufregend.

Viele Menschen haben nicht gelebt, sie sind nur dagewesen

Eine Sache ist zu hundert Prozent sicher: Jeder hat nur eine bestimmte Zeit für das Leben, und lebend kommt keiner von uns hier raus.

 

Es wäre gut, sich deshalb ab und an Gedanken über das eigene Wachstum, die persönliche Entwicklung, ja das Reifen zur Persönlichkeit zu machen. Viele Menschen machen sich mehr Gedanken über den nächsten Urlaub als über die eigene Entwicklung.

 

Leben bedeutet Wachstum und deshalb ist es erstrebenswert am Ende der eigenen Lebensspanne zu sich sagen zu können „Ich habe gelebt, ich bin gewachsen an Erkenntnissen, Erfahrungen, Weisheit. Ich bin bereit zu gehen.“ Ich glaube, es ist heute immer noch so, wie Seneca vor fast 2000 Jahren schon feststellte: Die meisten haben nicht gelebt, sie sind nur da gewesen. 

 

Fortsetzung folgt ...

© Martina M. Schuster